Zum Geleit (Juni 2024)

Liebe Freund*innen der Manufaktur,

Ob der Mai der zwölfte Temperatur-Rekordmonat in Folge gewesen sein wird? Ihr habt’s vielleicht gelesen – jeder der letzten elf Monate war der wärmste seiner Art. Seit Beginn der Aufzeichnungen.

Aber klar, das wahre Problem unserer heutigen Welt sind diese nervigen Grünen, die sich erdreisten, so zu tun, als ob sie gegen den Klimawandel vorgehen würden! Und die woken Gendersternchen und diese ganze Bevormundung! Kritische Denker wissen: Unser Abstieg in die Hölle des grün-woken Sozialismus hat beim Zwang begonnen, beim Autofahren einen Gurt anzulegen, ihr Schlafschafe (aus uns spricht gerade, falls ihr‘s nicht gemerkt habt, eine seltsame, aber auch irgendwie handelsüblich-altbekannte Mischung aus BILD, AfD, Schwurbler, FDP und Freie-Wähler-CSU-Koalition). Gurte sind unbequem und UNERTRÄGLICH VERNÜNFTIG! Das muss aufhören! Jetzt müssen wir Widerstand leisten, den Klimawandel beschleunigen, die Gurte durchschneiden und mit erhobenem Kopf voraus so richtig männlich durch die Windschutzscheibe fliegen!! Und wenn wir schon dabei sind: Bringt endlich das FCKW zurück in meinen Kühlschrank (Boomer erinnern sich)!!! FRRREEEEIIIIIIIHHHHEEEEEIIIIIITTTTTTT!!!

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Zum Geleit (Mai 2024)

Liebe Freund*innen der Manufaktur,

The Future’s so bright I gotta wear shades! Und damit ist jetzt, Anfang April, kurz vor Redaktionsschluss nicht etwa der erstaunlich früh gelegte Sommeranfang des Jahres 2024 gemeint. Sondern vielmehr das zunehmend unbehagliche Gefühl, morgens aufzustehen und beklommen zu gucken, wer sich in der Nacht zu was wie und mit welchen Konsequenzen positioniert hat und inwieweit dieser Entschluss nun wiederum geradezu zwanghaft dazu führen wird, dass man damit rechnen muss, dies binnen kurzer Zeit selbst in dieser Positionierung zu spiegeln und seinerseits zu positionieren – mit manchmal nicht absehbaren und kaum zu kontrollierenden Konsequenzen. „Sind Sie noch … oder waren Sie jemals?“ – das waren die Fragen des Komitees für unamerikanische Umtriebe zu Zeiten des McCarthyismus der späten 1940er und frühen 1950er Jahre.

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Zum Geleit (April 2024)

Liebe Freund*innen der Manufaktur,

holy shit! Es ist ja nun schon wieder ein paar Tage her, aber sehr, sehr selten haben wir einen solch unberechenbaren Abriss erlebt wie beim Konzert (Konzert?), wie bei der Performance (Performance?), wie beim Statement von Ballister. Irgendwie auch erwartet – und dann doch überrascht von der puren Power. Und der Attitude. Eine sehr zutreffende Konzertkritik spricht vom „Jazztrio als Fusionsreaktor“. Wie schön, frei und bewegend diese Energie doch macht! Die müssten viel mehr Menschen hören, dann … Tja, was dann? Wir jedenfalls sind sprachlos begeistert. Andernorts, gen Westen, ein paar Kilometer entfernt von der noch immer dank Ballister-Energie leicht zitternden Manufaktur ist man aus weit geringerem Anlass ungleich eloquenter. Dort, in der Landeshauptstadt, werden Pfähle eingerammt: „Jazz ist die musikalische Ausdrucksform für Freiheit, Mut und Toleranz.“ Launig mal so dahin formuliert! So färbt vom Glamour dieser Kunst auch etwas auf die Fans ab. Wenn man die Fans fragt. Denn sie treffen sich ja üblicherweise …

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Zum Geleit (März 2024)

Liebe Freund*innen der Manufaktur,

war es der Bohemien und Provo Werner Enke („Zur Sache, Schätzchen!“), der stets müde und missmutig abwinkte, wenn sich die Dinge seiner tiefenentspannten Meinung nach etwas »zu dynamisch« entwickelten? Waren es die Düsseldorfer Fehlfarben, die schon früh, 1980, ahnten: „Wenn die Wirklichkeit dich überholt, hast du keine Freunde, nicht mal Alkohol“? Im Februar-Geleitwort hatten wir etwas erhitzt und vielleicht auch eine Terz zu defätistisch um das Motiv des „Hoppla-Moments“ herum extemporiert, weil sich die Dinge etwas »zu dynamisch« (Enke) zu entwickeln schienen. Hatten folglich mit einem Peter Sloterdijk-Zitat in coolem Thomas Bernhard-Sound geunkt, dass eventuell die Demokratie, so wie sie hierzulande routiniert, aber kaum ernsthaft krisenerprobt, vielleicht etwas hilflos gegenüber aktuellen Herausforderungen agiert. Oder auch nicht agiert. Sondern? Beobachtet? Sinniert? Improvisiert?

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Zum Geleit (Februar 2024)

Liebe Freund*innen der Manufaktur,

Stichwort: Das böse Erwachen. Ältere werden sich vielleicht noch erinnern, Jüngere können‘s ja vielleicht mal googlen. 1972 war`s, als Bob Fosse mit Liza Minelli, Michael York, Helmut Griem, Fritz Wepper und Joel Grey in den Hauptrollen das Musical „Cabaret“ nach einer Vorlage von Christopher Isherwood („Goodbye to Berlin“) verfilmte. Thema: Tanz auf dem Vulkan um 1930. Damals ein Kassenschlager. Unvergesslich die Szene, als die Freunde von Berlin aus eine Landpartie unternehmen, in einem Landgasthof landen, wo ein blonder Jüngling am Nebentisch ein Lied anstimmt: „Tomorrow belongs to me!“. Und die ganze „Erregungsmeute“ (Sloterdijk) drum herum stimmt freudig-entschlossen ein. Ein Gänsehautmoment, ein Hoppla-Moment!

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Zum Geleit (Januar 2024)

Liebe Freund*innen der Manufaktur,

immer diese Vorurteile! Wenn in Büchern, Fernsehen und Kino in laufenden Ermittlungen sich jemand vom Verfassungsschutz mit an den Tisch setzt, um die Ermittelnden bei der Arbeit zu unterstützen, dann weiß unser popkulturell geschultes Ich, dass es an der Zeit ist, die Zahl der Verdächtigen um mindestens +1 zu erhöhen, jetzt ganz genau aufzupassen und jederzeit damit zu rechnen, eine verschwörungstheoretische Meta-Ebene einzuziehen. Getriggert werden wir seit Jahrzehnten durch einschlägige Begriffe wie „Verfassungsschutz“, „Verfassungsfeind“, „V-Mann“, „Gesinnung“, „Berufsverbot“ oder auch – früher mal – „FDGO“. Dumm nur, insbesondere für den Verfassungsschutz, wenn die Trigger aus der Fiktion in die Wirklichkeit wandern und anschließend wiederum die Fiktion befeuern. Wenn beispielsweise mit etwas Verspätung herauskommt, dass der Thüringer Verfassungsschutz indirekt über einen V-Mann die abgetauchten Mitglieder des NSU finanzierte.

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Zum Geleit (Dezember 2023)

Liebe Freund*innen der Manufaktur,
Sprachlosigkeit kann ein Zeichen von Gleichgültigkeit sein. Sie kann auch von Feigheit zeugen – oder von Überforderung.
Wir im Manufaktur-Büro haben seit dem 7. Oktober, dem Tag des Terrorangriffs der Hamas-Mörderbanden auf israelische Soldat*innen, Kibbuz-Bewohner*innen, Raver*innen und Arbeiter*innen, keine Aufrufe und Sammelbriefe unterschrieben. Wir haben nichts veröffentlicht. Wir waren sprachlos. Vielleicht auch in Schockstarre.

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Zum Geleit (Oktober 2023)

Liebe Freund*innen der Manufaktur,

Ihr denkt, jetzt sei es aber auch mal gut mit den Manufaktur-Jubiläen – der fünfzigste ist doch erst… fünf Jahre her? Ha, weit gefehlt. Nicht nur feiert das Kino Kleine Fluchten im Oktober seinen dreißigsten, und alle feiern mit – die ganze Manufaktur begeht bei dieser Gelegenheit ein großes Hausfest. Denn seit 30 Jahren ist die Manufaktur im Hammerschlag!

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Zum Geleit (September 2023)

Sodele, liebe Freundinnen und Freunde der Manufaktur,

nach dem Outdoor-August geht’s im September nun endlich wieder nach Drinnen. Der Herbst beginnt am 8.9. mit einer Show, die Manufaktur-Traditionalist*innen, die Underground-Legenden lieben, zum Schwelgen bringen und auch bei den Freund*innen des Ganz Ganz Neuen Und Total Heutigen eine gewisse Begeisterung auslösen dürfte: Zu Gast ist der Singer-Songwriter Simon Joyner («flying under the radar since 1991», schreibt er auf Bandcamp über sich selbst) zusammen mit seiner Band, bestehend aus

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Zum Geleit (Juli + August 2023)

Liebe Freund*innen der Manufaktur,

wir freuen uns auf einen tollen Sommer im Manufaktur-Hof – vier größere Shows im Juli, sogar acht im August (und sogar Voodoo Jürgens). There will be Verpflegung! There will not be an anderes großes Ereignis, uff! There will be Atmosphäre! Let there be Manufaktur!