Rainer Höltschl & Klaus Theweleit lesen aus „Jimi Hendrix“

Mittwoch, 20. Mai 2009, ab 20 Uhr


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Er war, wie die «New York Times» schrieb, «der schwarze Elvis Presley». Als er beim Woodstock-Festival 1969 die US-Nationalhymne elektronisch zerfetzte, wurde daraus der Abgesang auf den amerikanischen Traum. James Marshall Hendrix, geboren 1942 in Seattle, war einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Er veröffentlichte nur fünf offizielle Alben zu Lebzeiten, doch sein innovatives und experimentelles Gitarrenspiel prägte die Rockgeschichte. Klaus Theweleit und Rainer Höltschl schildern das kurze und wilde Leben eines Frühvollendeten: die Kindheit in Armut, die Jahre als Sideman berühmter Musiker und schließlich den Gipfel als Gitarrenheros, inklusive exzessivem Rauschmittel- und Groupie-Verbrauch. Am Ende verbrannte er nicht nur sein Instrument, er schien fast selbst zu brennen – unter dem Jubel der Fans. Sein Tod, mit 27 Jahren, am 18. September 1970 in London, beendete jäh eine atemberaubende Karriere.

Klaus Theweleit, 1942 in Ostpreußen geboren, studierte Germanistik und Anglistik in Kiel und Freiburg. Von 1969-1972 war er als freier Mitarbeiter des Südwestfunks tätig, 1977 promovierte er über «Freikorpsliteratur und den Körper des soldatischen Mannes». Heute lebt er als freier Schriftsteller mit Lehraufträgen in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich. Seit 1998 ist Theweleit Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

Rainer Höltschl, 1961 in Linz geboren, studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Wien und Freiburg. Er promovierte über Hugo von Hofmannsthal. Er lebt als freier Autor und Übersetzer mit den Schwerpunkten Medientheorie, Musik und Literatur in Freiburg.

In dem, was man wohl eine «Coda» nennen muss, beschäftigt sich Theweleit mit Tod und Verklärung des Gitarristen und kommt auf eine ebenso verblüffende wie sogleich einleuchtende These. Sein Tod war nicht bloß nicht umsonst (wie seit Jesu Opfer am Kreuz bei jeder möglichen Gelegenheit gebetsgemahlen wird), es handelt sich um ein rituelles und keineswegs freiwilliges Opfer. Theweleit rechnet Jimi Hendrix – wie Che Guevara, wie die Gründer der RAF – zu den «Durchbruchsfiguren», die in einem «sozialen Abführvorgang» beseitigt werden müssen, weil sie es zu weit getrieben haben und den kommensurableren Anhängern langsam peinlich, vor allem zum Hindernis fürs eigene Fortkommen werden. (So findet sich auch ein Seitenhieb gegen den «letzten Live-Rock’n’Roller» Joschka Fischer, diesen «populär gewordenen Putztruppen-Flegel», der dann beim großen Krieg gegen Jugoslawien dabei sein musste.)
Willi Winkler/Süddeutsche Zeitung