Blackmail | Guests: Earthbend | Veranstalter: Musiccircus

Sonntag, 19. Oktober 2008, ab 20 Uhr


Mai  2020
MDMDFSS
27282930123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
Juni  2020
MDMDFSS
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293012345
Juli  2020
MDMDFSS
293012345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829303112
August  2020
MDMDFSS
272829303112
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31123456
September  2020
MDMDFSS
31123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
2829301234
Oktober  2020
MDMDFSS
2829301234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930311
„Ich höre ja meine eigene Musik total gerne“, sagt Kurt Ebelhäuser lakonisch zwischen
zwei Zügen an der Zigarette. Und wie er das so sagt, da weiß man gleich, er meint es auch so. Es ist für ihn völlig normal und selbstverständlich.



Nicht nur, dass ihn dieser Satz ziemlich unterscheidet, von den meisten Kollegen seiner Zunft, (die stattdessen gerne was von ihren Fans stammeln und sich in falscher Bescheidenheit üben). Es könnte sein, dass hier auch der Schlüssel zum Geheimnis liegt. Ebelhäuser, der nicht nur Herr über die sechs Saiten bei Blackmail ist sondern zugleich auch noch eine Art musikalischer Direktor, die letzte Instanz sozusagen, der Produzent und Studio Wizard ja sowieso, der duldet für sich und seine Gang halt keinen Stillstand. Es muss immer weiter gehen, denn seine Kurt ist anspruchsvoll, und möchte seine Musik halt weiterhin selber GERNE hören.



Das hört man dann auch ganz besonders den 12 Songs des neuen Album „Tempo Tempo“ an. Eine erfrischend unvorhersehbare, ja oftmals geradezu überraschende Auswahl an Songs, die unglaublich unaufgeregt einen Anspruch auf Originalität, Echtheit und Kunstfertigkeit stellen, den viele dieser, ja nicht mehr völlig neuen Band aus einem der deutschen Weinbaugebiete gar nicht mehr zugetraut hätten.



Vielleicht ist es diese Art der Rezeption von Blackmail, die ihnen bis dato am meisten im Wege stand. Es war so oft davon die Rede, dass die Band nun ganz bestimmt ganz doll endgültig vor dem großen Durchbruch stehe, es wurde schon fast zu einem Dauermantra, das ihre Karriere all die Jahre lang begleitete. Dieses Ziel, der große Durchbruch, der ja dann doch nie kam, der nervte eigentlich die ganze Zeit nur. Ewig diese Ambitionen, die der Band von Plattenfirmen und Managements in den Mund gelegt wurde, während die Gruppe selbst klammheimlich immer besser und besser wurde. Und so hört sich Tempo Tempo eigentlich genau danach an: Ein Befreiungsschlag von all diesem Quatsch. Keiner hat den Jungs was eingeflüstert, keiner hat von Luftschlössern und Karriere Utopien geredet und stattdessen haben Blackmail ihre eh schon hohen Qualitätsansprüche nochmals eine Marke höher gelegt. „Wir hatten uns immer selber diesen blöden Druck auferlegt. Alle Platten sind immer unter Druck entstanden. Das war uns diesmal alles scheißegal.“, bestätigt die Band. So hört man Blackmail auf dieser Platte geradezu entfesselt, ja wie befreit aufspielen. Die markigen Rocksongs drehen sich gerne mal um die eigene Achse, versplittern unterwegs in verschiedene Richtungen um sich hinten raus wieder zu finden. Arrangeurskunst auf allerhöchstem Niveau. Hier ein orientalisches Streicherthema, dort ein unverhoffter Frauenchor. Manchmal öffnen sich die Songs nach hinten heraus, was oftmals wie eine Befreiung wirkt, eine Erlösung. Eine eigenartige und markante Arrangierskunst ist an die Stelle von konventionellem Songwriting getreten. Blackmail erschaffen mit Tempo Tempo eine perfekte Symbiose aus 12 vielseitigen und oft überraschenden Songs, angeführt durch die starken und teils komplexen Melodien von Sänger Aydo Abay.



Er und seine hochklassigen Mitstreiter geben sich nicht zufrieden mit dem „normalen“
Refrain, „da muss noch was anderes hin“. Das Ergebnis ist schon fast Artrock, jedoch
durchaus der unverfroren bollernden Art und Weise, die in dieser Form durchaus
einzigartig ist. Man möchte fast meinen Blackmail nähern sich musikalisch ihrer
Labelheimat an. Herrlich ist das, ihnen dabei zuzuhören.




„Wir hatten mit der Vorproduktion angefangen und so sieben oder acht Songs fertig, da fiel mir auf, dass die alle, aber auch wirklich alle in dem komplett gleichen lahmen Tempo daher kamen. Ich glaube da kam die Idee zu dem Album Titel. Außerdem ist Tempo ein schönes Wort. Im Spanischen wie im Deutschen.“, erläutert der Halbspanier Ebelhäuser. „Letztlich sind aber doch nur zwei von den Songs übrig geblieben.“



Blackmail arbeiten mit Tempo Tempo weiter an ihrem Ruf, die beste deutsche
Gegenwartsrockband zu sein. Das dürfte mit diesem Manifest hier mühelos gelingen. Eine Platte wie ein Fest. Wir dürfen uns schon jetzt auf die Live Umsetzung freuen. Es wird gewaltig werden!