SCOUT NIBLETT (GB)

Donnerstag, 15.5.2008; 20.30 Uhr


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Scout Niblett sieht aus wie eine Figur von Astrid Lindgren. Wären ihre Füße schmutzig, ihre Nase rotzig und ihre Knie aufgeschlagen, man würde sich nicht wundern. Sie ist bezaubernd. Gerade hat sie ihr viertes Album This Fool Can Die Now veröffentlicht und ist auf Tournee. In Berlin steht die britische Sängerin, die in den USA lebt, mit roten Wollstrumpfhosen auf der Bühne, sie kräuseln sich an den Knien. Sie kratzt sich unbeholfen am Kopf, die rot-weiße Fender-Gitarre sieht riesig an ihr aus. Die ungekämmten Haare fallen schützend um ihr rundes Gesicht. Wenn sie mit den Stiefelbeinchen auf den Boden stampft, streichen sie über das Mikrofon. Scout Niblett fühlt sich wohl auf der Bühne. Sie redet mit dem Publikum über Sternzeichen und Lieblingsautos, wirft ihren Mantel neben das Schlagzeug und bewegt sich, als liefe sie durch ihre Studentinnen-Bude. Es ist, als läge man unter dem Bett neben Wollmäusen und lauschte, wie die junge Dame sich zwischen zwei Vorlesungen freisingt. Mal säuselt sie vom Paradies, mal schreit sie und freut sich über ihre Kraft. Sie braucht nicht die Gesten eines Popstars und kein elaboriertes Spiel der Instrumente, nur den Mut zu schiefen Tönen. Sie lässt den Hörer ganz nah ran, an ihre Musik. Die Lieder sind roh. Man hört die Stimme, die mal sehr schön und weich ist, mal schrill und enervierend. Dazu spielen Schlagzeug oder Gitarre, manchmal beides. Alles ist simpel gemacht, manche Zeilen singt sie einfach immer wieder: „I’m sick and tired of being sick and tired“, heißt es in Dinosaur Egg. Ihr abwechslungsreicher Gesang erinnert hier und da an PJ Harvey, nie jedoch klingt sie ganz so verloren und verhungert wie die Kollegin. Scout Niblett singt wie eine, die die Liebe kennt, auf Pressefotos posiert sie auch mal mit Kaninchen im Arm. Ihr erstes Album nahm die damalige Kunststudentin im Jahr 2001 auf. Seit ihrer zweiten Platte arbeitet sie mit dem Produzenten Steve Albini zusammen, sein Name steht für raue, direkte Aufnahmen. Für This Fool Can Die Now gewann die Sängerin außerdem den Folksänger Bonnie ‚Prince’ Billy. Er begleitet sie auf vier Stücken, zwei davon sind Interpretationen von Lieder Marilyn Monroes und Van Morrisons. Der Single Kiss verleiht seine Stimme eine väterliche Ruhe, zusammen mit spärlichen Streichern bringt sie etwas Raum zwischen Musiker und Hörer. Man dankt es ihm, schließlich kann man ja nicht ewig unter Scouts staubigem Bett liegen.