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Salami Aleikum

21.10.2009 | 18:00

BRD 2009, 102 Min., von Ali Samadi Ahadi mit Navid Akhavan, Anna Böger, Michael Niavarani, Wolfgang Stumph, Proschat Madani, Eva-Maria Radoy

Nach dem Fall der Mauer standen sich hierzulande Wessis und Ossis zumeist recht unvorbereitet gegenüber. Die Vorurteile waren groß, das Misstrauen ebenso. Wenn schon der gemeine Wessi seinen Landsmann aus dem Osten bisweilen nicht versteht und umgekehrt, wie soll sich dann erst ein Immigrant, jemand aus einem ganz anderen Kulturkreis, bei uns zurechtfinden? Ali Ahadis Culture-Clash-Komödie „Salami Aleikum“ versucht sich an einer Antwort.

Mohsen lebt noch mit Ende 20 bei den Eltern. Der eigene Vater, der in der Domstadt eine Metzgerei betreibt, hält ihn für einen Versager. Dass der schüchterne Deutsch-Iraner kein Blut sehen kann, sich immerzu in wilde Tagträume flüchtet und in seiner Freizeit bevorzugt strickt, lässt sich zugegeben auch nur schwer dem stolzen Familienoberhaupt vermitteln.

Als Mohsen endlich die Gelegenheit erhält, seinem Vater das Gegenteil zu beweisen und den elterlichen Betrieb zu retten, landet er auf Umwegen in einem kleinen, verschlafenen Ort namens Oberniederwalde. Das liegt irgendwo im tiefsten Ostdeutschland. Seit der Wende und dem Aus für den ortsansässigen volkseigenen Betrieb „Textile Freuden“ ist mit Oberniederwalde nicht mehr wirklich viel anzufangen. Ausländern wie Mohsen begegnet man dort mit Argwohn und äußerster Zurückhaltung – bestenfalls. Da erscheint es nicht ganz unproblematisch, wenn sich der Neuankömmling Hals über Kopf in die Tochter des Kneipenwirts verliebt. Ana ist groß, blond, stark, selbstbewusst und somit das genaue Gegenteil von Mohsen.

Ahadi entwickelt aus einer simplen Orient trifft-Okzident-Konstellation eine überaus farbenfrohe, verspielte Komödie mit einer Vielzahl von innerdeutschen Bezügen. Schon in den ersten Minuten wird klar, dass sich Ahadis Film zumindest in der Art der Präsentation von den meisten anderen Multikulti- Geschichten grundsätzlich unterscheidet. Statt in Köln oder der ostdeutschen Provinz wähnt man sich bisweilen in einem Traum aus 1001er Nacht. Um den Zuschauer unmittelbar am Seelenleben seiner Protagonisten teilhaben zu lassen, erhalten deren Hoffnungen und Wünsche eigene kleine Bühnen, auf denen sich plötzlich alles um eine verrückte Idee oder einen lange Zeit unerreichbaren Traum dreht. Während sich Mohsen eine gemeinsame Zukunft mit Ana als Episode aus einem Bollywood-Film ausmalt, sehnt Anas Vater den Glanz alter sozialistischer Textil-Herrlichkeit herbei.

Für Ahadi scheinen indes keine stilistischen Grenzen zu existieren. Egal ob orientalische Musik- und Tanzeinlagen, Märchenreflexionen, Klamauk, Slapstick oder animierte Wollfiguren, als Zuschauer muss man im Verlauf dieser 102 Minuten einfach auf alles gefasst sein. Die ungebremste Lust am Experiment ist dann auch die größte Stärke eines Films.

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Details

Datum:
21.10.2009
Zeit:
18:00
Kategorie:

Veranstaltungsort

Kino Kleine Fluchten
Hammerschlag 8
Schorndorf, 73614 Deutschland