Zum Geleit

Liebe Freundinnen und Freunde der Manufaktur,

letzten Monat hagelte es ja Abschiede aus dem Manu-Team, aus dem Manu-Vorstand. Zur Erläuterung: unseren ehrenamtlichen Vorstand hat man sich als erlesene Truppe von coolen Säuen vorzustellen, nicht als klassische Vereinsmeier und auch nicht, was das Wort „Vorstand“ ja durchaus auch nahelegen könnte, als Ansammlung von Managertypen (wobei – wäre auch mal eine Idee!). Bedauerliche und epochenbruchmäßige Abschiede also im Mai, dafür setzt’s an dieser Stelle wieder fröhliche Begrüßungen und großen Optimismus, was die Zukunft unseres Schuppens hier angeht. Denn die Mitgliederversammlung hat gewählt: Wir gehen mit neuem Vorstandsteam in die Sommersaison (und in die nächsten Jahre)! Vorsitzender der Manufaktur ist jetzt Milo Tadic, Yvonne Kiefer ist zweite Vorsitzende, Joachim Auwärter dritter Vorsitzender. Im Beirat tummeln sich Ingrid Neumann, Josef Mommert, Claudia Breitenbücher, Jonas Kießelbach und Lore Bürkle. Kassierer ist Dietmar Bärtele. Auf zu neuen Ufern! Weiter, nur noch besser! Oder auch: Manufaktur will never dead!

Das Juni-Programm fängt jedenfalls an mit dem großen Kurt Vile und den Violators – ein bereits seit Längerem ausverkauftes Konzert, was ja auch nicht jede Woche vorkommt. Der Run auf dieses Konzert scheint uns nur recht und billig – aber es verblüfft uns in unserem Fan-Girl-and-Boy-tum fast ein bisschen, dass für die Show von Julia Holter am 17. Juni noch Tickets zu haben sind, weshalb wir an dieser Stelle noch die Werbetrommel rühren wollen. Schließlich ist Holter mit „Aviary“ eines der avancierten Pop-Alben des Jahres 2018 geglückt und sie begeistert seit Jahren und auch aktuell mit immer neuen Ideen, musikalisch evozierten Stimmungen und Song-Konzepten, die sich auf höchst charmante und schlaue und schöne Weise mit unserer Gegenwart auseinandersetzen. Zum richtig großen Star ist sie zugegebenermaßen noch nicht geworden, da steht ihr vermutlich auch das vermaledeite A-Wort im Weg: Wenn tolle Musik als „avantgardistisch“ (oder auch als „avanciert“) etikettiert wird, dann hat das häufig eine abschreckende Wirkung. Anstrengend und so, verkopft, sperrig. Das spiegelt sich dann auch in den Formulierungen der Fachpresse wieder, die in ihrer Begeisterung um das A-Wort herumtanzen: Kammerpop, zwischen Avantgarde und Barockpop pendelnd, lasen wir da zum Beispiel. Die Expert*innen übertreffen sich zu allem Übel auch noch im Decodieren der literarischen Anspielungen in Julia Holters neueren Stücken bzw. ihren Texten – wir lesen von Euripides, Colette, Frank O’Hara, Sappho, Dante und ums Eck auch noch von Hölderlin! Mit unserer Halbbildung sind wir von so was zugegebenermaßen leicht zu beeindrucken und vielleicht auch einzuschüchtern – was bei solchen Beschwörungen von Bildungsgepäck aber viel zu leicht unter den Tisch fällt, ist, wie leichtfüßig und einnehmend und zeitgenössisch das alles klingt und wie schnell einen die Songs – und um die geht es ja – in ihren Bann ziehen. Und überhaupt, es eine großartige Sache ist, wenn Künstler*innen einen so weiten Horizont haben und so selbstverständlich und unprätentiös avantgardistisch sein können.

Einen tollen Juni wünscht

 

Eure Manufaktur

Dankeschön!

mit Kopfschmerzen, die glücklich erworben wurden, sitze ich nach dem Wahlabend in der Manufaktur beim Frühstück und höre ein bisschen Robert Forster: „It’s a new day, another night that I’ve survived. My dreams have chased me to this place where I’ve arrived. The sun’s at the door it’s knocking. The morning is a friend. It’s before me.“

Ich bin noch nicht ganz gelandet aus diesem Abend, will aber unbedingt ein riesengroßes Dankeschön sagen! An alle Kolleginnen und Kollegen, an die Haupt- und Ehrenamtlichen, an Gäste, Freunde und Kritiker. Für 12 aufregende Jahre, für all’ die Musik, die Diskussionen, Streitereien, Filme, Feste, Freundschaften.Ich freu mich jetzt weiter dabei zu sein. Mal hier, mal da, wo ihr mich brauchen könnt’ und wo ich sein will.

„I swing my feet from the bed to the floor. I’ve got another day. I tell myself as I cross the floor.“

Sabine Reichle