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Zum Geleit


Liebe Freundinnen und Freunde der Manufaktur,

es ist halt die Herbstsaison, und so sollte es nicht verwundern, dass im Oktober – auch nach dem Jubiläumssommer – musikalisch mal wieder einiges los ist und die kleinen und großen Stars sich in der Manufaktur die Klinke in die Hand geben – ob sie nun laute Rockerinnen oder Free-Jazzer oder eher leise Singer-/Songwriterinnen sind. Auch die Melvins, die ewigen Helden, lärmen mal wieder vorbei. Wir hoffen, Ihr erinnert Euch noch an den großartigen Auftritt der Melvins im Manufaktur-Jubiläums-Filmchen vor einigen Monaten und an ihr damaliges Stichwort „great parking!“ – vermutlich die wahrhaftigste Aussage, die je ein Rockstar über die Vorzüge der Manufaktur getroffen hat! Ein unsentimentaler Kontrast zu den vielen wunderbaren emotionalen, politisch-emanzipatorischen und biografisch-erfahrungsgesättigten Beiträgen, mit dem sich die Manu-Zeitzeugen und FreundInnen aus den letzten Jahrzehnten ansonsten in diesem Film verewigten – und eine willkommene Erinnerung auch an uns, nicht zu sehr in Nostalgie und Selbstbeweihräucherung zu schwelgen, denn letztlich kommt’s halt auch auf die Parkplätze an, und die Waschmaschine im Backstage-Bereich, und nicht in erster Linie auf die große Tradition und den politischen Anspruch und all so was... Mit „great parking“ haben die Melvins Iggy Pops „geänderte Wagenreihung“ in der aktuellen Bahn-Werbung eigentlich schon vorab in den Schatten gestellt, wie sie dem ja ohnehin um nichts nachstehen, wie Ihr bei ihrem Konzert sicher wieder feststellen werdet. Aber das nur am Rande.

Vor allem wollen wir Eure Aufmerksamkeit an dieser Stelle aber auf Max Annas lenken, der aus seinen Roman „Finsterwalde“ lesen wird. Ein unheimlicher, dystopischer Thriller, eine Geschichte, die in einem D-Land spielt, in dem Schwarze in Lager gesteckt werden und staatlicherseits für „nützlich“ befundene Zuwanderer Fußfesseln tragen, die sie von politischer Meinungsäußerung und Betätigung abhalten sollen, erzählt aus der Perspektive von Leuten, die sich das nicht gefallen lassen. Eine um ein paar politische Eskalationsstufen verschobene Wirklichkeit – um wie viele Stufen und wie sehr, das scheint sich derzeit ja fast wöchentlich zu verändern, was das Buch nur noch unheimlicher und zeitgemäßer macht – und die Fragen, die es behandelt und aufwirft, umso dringlicher. Wir freuen uns schon sehr auf diesen Abend und auf einen Autor, der nicht nur tolle Polit-Thriller schreibt, sondern auch eine lange Geschichte als kritischer Begleiter und Freund der musikalischen Popkultur hat, als Fan und Archäologe des afrikanischen und afrodiasporischen Films und der Undergrounds dieser Welt, und mit dem wir unser Programm deshalb nochmal umso lieber schmücken!

Eure

Manufaktur