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Zum Geleit

Liebe Freundinnen und Freunde der Manufaktur,

Winterkälte, eine in vielerlei Hinsicht schwer erträgliche Welt da draußen – Zeit, zusammenzurücken und sich zu wärmen. Zeit, sich gegenseitig zu versichern, dass es anderen auch so geht wie Dir, in gemeinsamer Begeisterung und, wie die Soziolog_innen so schön sagen, körperlicher Ko-Präsenz. Zum Beispiel mit unserem Konzert-, Film- und Lesungsprogramm. Die Manufaktur – eine heimelige, analoge Wärmestube in frostigen Zeiten. Wo einem wieder warm ums Herz und die Vereinzelung überwunden wird!

Oder so. Das klingt jetzt nach plumpen Klischees. Aber wie der Konstanzer Kulturhistoriker Sven Reichardt vor Jahren mal schrieb, war und ist die „Wärme“ schließlich auch das kulturelle Grundmotiv der Alternativbewegung. Und mit der ist die Manufaktur ja doch auch irgendwie verflochten, das hat das Jubiläumsjahr uns mal wieder um die Ohren gehauen. Diese kulturelle Logik der Alternativbewegung geht Reichardt zufolge in etwa so: Draußen ist es kalt und böse, bei uns ist es gut und warm. Kapitalismus, Rassismus, Beton, Arier, Atomkraft, Winter, Punk, Techno: kalt. Solidarität, sonnige Jahreszeit, Sozialismus, Solarenergie, Hippietum, Gefühl, House, Karibik: warm.

Ok, a) geht das nicht so richtig auf und b) schrieb Reichardt das in einem eher spöttischen und herablassenden Ton. Aber in Zeiten, die in so vielerlei Hinsicht erbärmlich kalt sind und frösteln machen, zeigt sich doch, wie menschlich und richtig das alternative Wärmebedürfnis ist! Wobei, als Post-Alternative kommen wir da schnell wieder ins Nachdenken und Relativieren: Ist es nicht so, dass das globale politische Problem derzeit nicht nur in der emotionalen Kälte liegt, sondern auch in den falschen Wärmeversprechen der Rechten? Die nationale Wärmestube, die sozial ist zu den VolksgenossInnen und bösartig zu allen anderen, dieses illusorische Querfrontprojekt, auf das sich manch ein Nazi und manch eine nominallinke Alt-BRD-Nostalgikerin anscheinend einigen können? Wohingegen Liberale verschiedener Couleur heroisch (finden sie zumindest selbst) den Mut zum pluralistischen Individualismus,  und damit auch zur Kälte gegenüber dem unsympathischen Nachbarn hochhalten? Was ist angesichts all dieses Unsinns eigentlich die politisch wie moralisch und emotional und biorhythmustechnisch richtige, wohltemperierte Zone? Irgendwo im Lauwarmen? Oder doch eher heiß als warm?

Eure

Manufaktur