Women (CAN)

Mittwoch, 10. Juni 2009, ab 21.00 Uhr


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Ein Röntgenblick ins Innenleben dieser vier Männer aus Calgary, Alberta wäre sicherlich nützlich, um zu verstehen, wie so eine schlurfige, schlampige, von oben bis unten eingesaute Rockmusik entstehen kann. Sind da Luft- und Speiseröhre von Mesa Boogie gesponsert? Hat der linke Lungenflügel schwarze Tasten? Und könnte man mit ihrem Trommelfell eine Tomtom beziehen? Alles und nichts hat «Women» zumindest schon mal mit Los Angeles und der dortigen Musik des Moments zu tun. Obwohl Alberta und Kalifornien durch eine Landes- und vier Bundesstaatengrenzen getrennt werden, sind Women doch Brüder in Geiste und Geste der kleinen Rockrabauken-Szene um No Age, Abe Vigoda und den Club The Smell. Ihre Platte dauert deshalb standesgemäße 30 Minuten, ihr Interesse an ausproduzierten Songs verschwindet im intuitiven Lärmpegelpendeln, und ihre Gitarren halten sich auf dem kürzesten Weg am Hit vorbei nicht mit theoretischem Fachwissen auf. Psychedelische Speichererweiterungen werden aus der Not in diese Songs geboren, für den Schlagzeuger ist ein Schellenkranz schon Luxus, und um Feedback wird ja sowieso immer gebeten. «January 8th» holt hinter dieser Deckung zu seinen Rechts-Links-Gitarren-Kombinationen aus, angefeuert von den überzeugend nachgebauten indifferenten Geisterstimmen der Liars und linkisch-dramatischen Ereignis-Trommelwirbeln. Es ist nicht der beste Song auf «Women», aber der gemeinste, neben dem zum Beispiel das einminütige «Cameras» aussieht wie ein Spielkind im Sandkasten. Blumiger 60s-Pop steht hier immerhin kurzfristig zur Diskussion – aber schon «Lawncare» mäht einem mehr als nur den Rasen unter den Füßen weg. Women können sehr bestimmend werden, wenn sie Gitarrenfiguren gegeneinander ausspielen, ihren Null-Bock-Gesang durch lakonische Harmonie-Spielchen schicken oder mit «Group transport hall» ihre Idee eines Unplugged-Albums antesten. Sie können es aber auch einfach mal vier Minuten rauschen lassen. Bands werden schnell für unkonzentriert gehalten, wenn sie übliche Songstrukturen von Rockmusik und Verwendungswege ihrer Instrumente aufbrechen. Women würden das als Kompliment nehmen und doch alle von ihrer Wachsamkeit überzeugen, wenn sie durch die herausragend herausgeputzte Hippiefantasie von «Black rice» steuern. Neben der zweiten Hälfte ihres Albums muss dieser Song mit seinem verschleppten Glockenspiel geradezu lieblich klingen: Spätestens nachdem «Upstairs» das Orchester in seinem zugedröhnten Kopf zerlegt hat und «Flashlights» mit den verlorenen Resten fertig ist, kann man «Women» dann auch Noiserock nennen.

www.flemisheye.com/albums/016-women
www.myspace.com/womenmusic
www.lastfm.de/music/Women