The Whitest Boy Alive (N/D) | Support: The New Wine (N)

Montag, 6. April 2009, ab 21 Uhr


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The Whitest Boy Alive sind eine Band aus Berlin, auch wenn ihr bekanntestes Mitglied der Norweger Erlend Øye ist. Als Teil der Kings of Convenience rief er vor acht Jahren eine neue Jugendbewegung aus: die Ruhe. Leise, bedächtige Popmusik erlebte eine Hochphase. Acht Jahre später erscheint nun das zweite Album von Øyes Seitenprojekt The Whitest Boy Alive (schwer zu sagen, ob die überhaupt noch Projekt oder schon längst Hauptband ist). Es heißt «Rules», und es ist genauso leise wie alles, was Erlend Øye bisher gemacht hat. Und: mindestens genauso toll. Wie das großartige erste Album «Dreams» ist auch «Rules» von klarer, fast minimalistischer Struktur. Bei den Aufnahmen in einer Hütte am Strand von Mexiko gab es eine klare Regel: Alles wird live eingespielt. Keine Nachbearbeitungen, keine Overdubs. Und so hört man nie mehr als die vier Musiker von The Whitest Boy Alive. Meistens sogar weniger. Die leicht angeschlagene Gitarre verhallt melancholisch im Raum, als würde sie sich selbst hinterherhorchen, der Discobeat zuckelt sachte vor sich hin, leicht unterstützt von Bass und Synthie – und obwohl eigentlich so wenig passiert, hat das Ganze einen unverschämt eingängigen Groove. Das ist kein Zufall. The Whitest Boy Alive spielen zwar auf den konventionellen Instrumenten einer Popband, die Strukturen ihrer Songs kommen aber aus der House Music. Es geht um Repetition, um Loops. Sebastian Nentwig an den Synthies ist im Gegensatz zum ersten Album jetzt auf jedem Song zu hören, und so ist die Nähe zum House offensichtlicher. Zum Beispiel in «Courage», einem echten Höhepunkt auf «Rules». Erlend singt «If you want me, show some courage», der Synthesizer klingt fast wie ein programmiertes Sample, dazu wiederholt Erlend immer wieder das Wort «courage», bis das Schlagzeug einsetzt. Die Tanzfläche müsste jetzt voll sein von verträumt tanzenden Menschen, denn The Whitest Boy Alive sind Four To The Floor in Indiepop. Und in sehr leise. Manchmal erinnert das alles an Phoenix, manchmal eben auch an die Kings of Convenience (unvergessen ihr Auftritt vom 27.11.2004 bei uns). Auch das zweite Album des weißesten Jungen aller Zeiten ist eine verträumte, leise Indiepop-Platte, zu der man tanzen möchte, weil sie so unaufdringlich ist und so sehr groovt. Die man immer wieder hören will, weil sie so toll ist.

«Rules» ist nach «Dreams» (2006) die zweite Platte der Band. Sie fängt ruhig an und hört auch ruhig wieder auf. Dazwischen bleibt sie im Wesentlichen ruhig. Ruhig im Sinne von unhektisch. Øye und Freunde machen Discomusik mit Indie-Mitteln, die Synthies klingen angenehm bescheuert, die Gitarren spielen unverzerrte Läufe oder schlagen einen Funkriff an. Es groovt ziemlich auf «Rules», wobei der Groove immer laid back ist und selten koksig. Die Tageszeitung

The Whitest Boy Alive setzen einen Kontrapunkt zum perfektionierten, digitalisierten Leben und sind gerade dadurch zur Konsensband der iPod-Individualisten geworden.
Die Zeit

Fazit: Alles super. Musik, bei der man sich schlaksig fühlt. Noch nie im Sitzen so viel getanzt und melancholisiert wie zu dieser Platte. Rosenstolz, Bushido und Peter Fox sollen bitte aus Berlin wegziehen, damit die Stadt nur noch The Whitest Boy Alive gehört.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

www.whitestboyalive.com
www.myspace.com/thewhitestboyalive
www.lastfm.de/music/The+Whitest+Boy+Alive