The Notwist (D) | Support: Portmanteau (D)

Mittwoch, 15. April 2009, ab 21 Uhr


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Vieles gibt es zu erzählen, ein warmes Leuchten im Rückspiegel der Erinnerung. Das Stürmen und Drängen, die Verzerrer, die Geschwindigkeit, fast zwanzig Jahre ist es schon her. Aus metallischem Hardcore wurde elektronifizierter Indierock wurde experimentelle Popmusik. Weilheim in Oberbayern wurde ein Synonym dafür, ein Ort, eine Haltung, eine Szene. Ein Ausgangspunkt. The Notwist kamen von dort. Und sie haben uns mitgenommen. Mit ihnen wurde der Sommer 2002 «Neon Golden», das erfolgreichste Album der Band, was mehr als nur Verkaufszahlen meint. All die Pfade, die elektronischen Schleifen, die Kammermusik, die Texturen des Jazz und die Verbindlichkeit von Pop führten auf eine gemeinsame Lichtung. All die Projekte, die aus und im Umfeld von The Notwist entstanden waren – Lali Puna, Console, MS John Soda, 13 & God, The Tied & Tickled Trio ... –, lauter funkelnde Antworten auf die eine zentrale Frage, die Justus Köhnke einmal so prägnant formuliert hat: Was ist Musik? Die Popmusik von The Notwist ist genauso clever wie intuitiv, ist genauso international wie eigenständig, genauso introvertiert wie die Welt umarmend. «Let’s just imitate the real until wie find a better one» singt Markus Acher in «Good Lies» immer wieder. Von The Notwist kann dabei kaum die Rede sein. «The Devil, You + Me» begrüßt dich wie ein alter, guter Freund. Da ist die Stimme von Markus Acher, ganz nah am Ohr, eine vertraute Wärme. Da purzeln die Akkorde hinein in einen schwerelosen Orbit der Klänge. «Where in this world could I go but to the chord that takes me away ... ?» fragt diese Stimme und die Akkorde machen eben das. Sie nehmen uns mit auf ihre Reise, wie die Bewegung überhaupt zum Leitmotiv von «The Devil, You + Me» geworden ist. In den Wörtern und den Tönen. «Gravity you won’t get me. Old gravity you won’t get me ... » heißt es im gleichnamigen Song. Kurz darauf taumelt «Sleep» selbstsicher durch die Schwerelosigkeit der Hallspiralen, opulente Transparenz, zarter Dub. «Where in this World» ist die Koinzidenz von dem, was The Notwist 2009 bedeutet: Ein intimer Song, der sich nach und nach in interstellare Weiten öffnet. Ein wolkenverhangener Himmel voller Geigen, aus dem der Sternenregen des «Andromeda Mega Express Orchestra» perlt, die Oboen und Trompeten. Das Wissen um und die Lust an den Grenzlandschaften zwischen Jazz, Electronica und Neuer Musik schwingen durch den Raum, als ließe der Wind Morton Feldmann durch die Gehörgänge einer Computerfestplatte oszillieren. Danach dann «Gloomy Planets», eine Gitarre, ein Piano, das Vertrauen auf das Wesentliche. Diese Band ist immer gut für Lieblingslieder. «Gloomy Planets» ist das unmittelbarste unter ihnen, ein Hit, dicht und ergreifend. The Notwist waren immer auch Archivare der Töne, Archäologen der Pop- und Avantgardegeschichte, was etwa im dissonanten Geräuschteppich von «Alphabet» exemplarisch hörbar wird. Alleine dadurch hat die Band ihrem Genre – früher sagte man einmal Indierock zu ihm – immer wieder die Ohren geöffnet. Dass aber am Ende dieses auch intellektuellen Rückkopplungsprozesses mit «The Devil, You + Me» einmal mehr ein großes Popalbum steht, ist die eigentliche Botschaft, die auch nach dem finalen «Gone, Gone, Gone» noch lange nachhallt. «I will never let you go», heißt es da noch einmal in beinahe kammermusikalischem Ambiente. Man glaubt es dieser Band aufs Wort.

www.notwist.com
www.myspace.com/notwist
www.lastfm.de/music/The+Notwist