The Hidden Cameras (CAN) | Support - Rocket / Freudental (D)

Donnerstag, 15. April 2010, ab 21.00 Uhr


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Der Song „Ratify The New“ startet mit einem theatralen Summen, ähnlich diesem spannungsgeladenen Sirren eines Orchesters, bevor das eigentliche Konzert beginnt. Nach fast zweieinhalb Minuten setzt Joel Gibb mit hell knödelnder Stimme ein. Ein akustischer Erlöser, der die Nebelschwaden der sacht wabernden Streicher-Klänge wacker durchschreitet, bis sich das Ganze zu einer infernalischen operettenhaften Nummer mit Pauken-Schlag und Geigen-Rabatz emporschraubt. Was für eine Ouvertüre, die Sänger und Multiinstrumentalist Joel Gibb da für das vierte Album seiner Formation The Hidden Cameras ersonnen hat. „Origin: Orphan“ heißt das Werk des Kanadiers, der mittlerweile im Berliner Prenzlauer Berg nicht nur an Musik, sondern auch an Deutschkenntnissen und Malerei arbeitet. Der fulminante Einstieg sei eine Referenz an den Aufenthalt im traditionellen Kulturland, genauer gesagt an Wagners „Rheingold“. Und diese Information beschreibt zugleich auch herrlich den Bogen, den Gibb spannt. Wegen seiner expliziten Schilderung (homo-)sexuellen Lebens auf früheren Alben wird der Sound der lose um Gibb gescharten Künstler gerne auch als Queer-Pop bezeichnet. Doch die Schublade ist viel zu eng für diesen schlichtweg einfallsreichen, lebensklugen wie –lustigen Entertainer, der „indie“, also unabhängig, im (klang-)schönsten Sinne ist. Den frech-frivolen Tabubrecher gibt Gibb in einigen der Lyrics immer noch – aber eben nicht nur. Das zweite Stück des neuen Albums etwa, „In The NA“, klingt wie die Disco-Version einer Räuber-Hochzeit: Treibende Grooves mit viel „Hey Hey“, die schnell die Club-Tanzflächen füllen dürften. Viele der impulsiven Songs könnten auch Fans von Folk-Art-Projekten wie Arcade Fire gefallen. Der mehrstimmige Gesang ist eindeutig euphorisierend und zugleich geheimnisvoll. Doch Gibb kann – mittlerweile – auch ruhiger. Etwa in dem balladesken „Colour Of A Man“ oder in „Walk On“ mit seinem getragenen Bläser-Intro, in dem sich Gibbs Stimme irgendwo zwischen R.E.M.s Michael Stipe und einem Mönchschor bewegt. Die dunkel-atmosphärische Aura wird in dem Titelsong „Origin: Orphan“ fortgesetzt: Das Schlagwerk ist mit viel Hall versehen, die gesampelten Gitarren schleppen sich taktvoll dahin – und Gibb wird zum Sinnsucher, der den eigenen Ängsten begegnet. Doch Gibb ist smart genug, um nicht im Leidensmodus zu verharren. „Origin: Orphan“ wird flugs kontrastiert mit der harry-belafontesken Disconummer „Underage“, bevor die Platte mit der sanften Pianopop-Ballade „Silence Can Be A Headline“ endet. Der Song sei eine Reminiszenz an Schuberts Lieder, erklärt Gibb. Aber im Endeffetk, erläutert er weiter, sei jedes Stück auf der Platte ein Genre für sich, „ein Waisenkind“, wie der Plattentitel suggeriert. Bei den Hörern werden die Songs aber sicherlich bald ein neues Zuhause finden.

www.thehiddencameras.com
www.myspace.com/hiddencameras

Rocket/Freudental
Den Abend eröffnen wird die beste Band Stuttgarts: Rocket/Freudental. Wir freuen uns riesig, dass es endlich geklappt hat! Rocket/Freudental mischen furchtlos Samples, Gitarrensolos von Profi-Muckern, Rock, Techno, teure wie billige Sounds und Instrumente, Studio- und Homerecording. Da wird die Musikgeschichte durchwühlt und benutzt und durchsetzt mit all den Themen des Alltags, die keinen verschonen.

www.myspace.com/rocketfreudental