The Hidden Cameras (CAN)
Einziges Konzert bundesweit!

Freitag, 25. Juli 2014, ab 20.30 Uhr


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In jeder Bewegung Joel Gibbs steckt die standhafte  Eleganz eines Dirigenten. Schwungvoll manieriert, so schöngeistig wie ein Blumenbouquet auf einer viktorianischen Kommode. Irgendwo zwischen Oscar Wilde und Charles Baudelaire, opulent, überbordend. Seit 2001 spielt der Kanadier mit seiner Band The Hidden Cameras nun. In den Kirchen Torontos inszenierte er die legendärsten Nächte der Stadt. Männliche Gogotänzer boten den performativen, alles umstürzende Rahmen für Shows, die Religion hinterfragten und Sexualität feierten. Gibb prägte die Musikszene Torontos, als sie es fast noch nicht gab. Er war der erste kanadische Künstler, der bei Rough Trade unterschrieb. Inzwischen wohnt Joel Gibb in Berlin. Er hat seinen festen Platz gefunden, als Songwriter, als Künstler. Auf seinem neuen Album „Age“ will er also nicht wissen, wer bin ich, sondern wie bin ich zu dem geworden. „Age“ ist gewissermaßen Joel Gibbs Coming-Of-Age-Album. Rückblickend erforscht er die verschiedensten Schattierungen von Age. Age darf nicht allein Alter übersetzt werden. Zu vielschichtig sind seine Bedeutungen. Age kann alles heißen. Vor allen Dingen meint Age, moralische Pflichten zu übernehmen. Es ist kein Zufall, dass Chelsea Mannings Umrisse, das Innere der Platte schmücken. Wir leben schon im Bradley-Manning-Age. Manning ist für Gibb einer des wenigen Menschen mit Anstand, der seiner menschlichen Verantwortung gerecht wurde. Gibb inszeniert Manning als Ikone, als queeren Freiheitskämpfer. Songwriter zu sein, heißt für Gibb, über das zu schreiben was man kennt und Verantwortung zu übernehmen. Ehrlichkeit ist seine oberste Maxime. „Wenn man nicht ehrlich zu sich selber sein kann, was für ein schlechter Künstler ist man dann erst?“ „Age" ist ein Manifest von Wahrhaftigkeit größtenteils in F-Moll geschrieben. Und F-Moll, das wissen wir natürlich, das ist die Tonart der Klage, der Schwermut, aber auch der Sehnsucht und der schwarzen, hilflosen Melancholie. Wie bei Wilde und Baudelaire verhält es sich nun auch bei Gibb, dass hinter jeder noch so blumigen Ästhetik ein Zweifler mit Blick aus dem Fenster steckt.