Lee Ranaldo (Sonic Youth) + Disappears (USA)

Dienstag, 3. Juli 2012, ab 21.00 Uhr


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LEE RANALDO (Sonic Youth) & DISAPPEARS (USA)

Für Sonic Youth ist Lee Ranaldo, was Eric Dolphy für John Coltrane war – der Mann fürs Lyrische und Komplexe, für die Avantgarde, die immer die Tradition fest im Blick hat. Seine Soloalben waren bisher Versuchsanordnungen in Poetry und Minimal Music. „Between the Times and the Tides“, zwischen den Zeiten und Gezeiten, scheint dabei einerseits das Ende der einflussreichsten Rockband der letzten dreißig Jahre anzuspielen. Zugleich kann man den Titel aber auch gut als ästhetische Zielrichtung verstehen. Schließlich konnten Sonic Youth ihrem beweglichen Sound immer eine eindrückliche Modernität bewahren, auch wo er naturgemäß ins problematische Feld der Zeitlosigkeit hinüberglitt. Die modernistische Anmutung behielten sie wiederum nicht zuletzt, weil die Band seit ihren Anfängen in den frühen Achtzigern die Entwicklung von Post-Punk zu Post-Rock wesentlich angetrieben und mitbestimmt hat. Von dieser Entschlossenheit zur Öffnung und Vertiefung profitiert hier auch Ranaldo, der im Bandverbund meist ein wenig vom Post-Punk-Glamourpaar Kim Gordon und Thurston Moore verschattet wirkte. Ranaldo taucht mit einnehmendem, leichthändigem Swing gleichsam in die historische Tiefe und das zeitgenössische Umfeld der Sonic Youth-Welt. Darum geht es auch in den Texten, die offenbar recht persönlich über die Jugend, ihr Vergehen, Aufbruch und Ankünfte in die Liebe und das Leben handeln. Musikalisch verneigt sich Ranaldo, gerade 56 geworden, vor den Einflüssen seiner Jugend in den frühen Siebzigern und jenen Bands, die mit Sonic Youth den Gitarrenrock aus dem Geist von Punk und Noise noch einmal Relevanz verliehen. Kenntnis- und abwechslungsreich sammelt er unter der speziell schwelgerischen Wall-of-Sound Motive von psychedelischen Folkrock-Ahnen wie Buffalo Springfield, psychedelischen Powerpop-Stars wie Big Star und den frühen psychedelischen New York-Post Punks von Television. Am Ende steht kaum überraschend ein Beatles-Cover. Zugleich erkennt man die epischen, brutzelnden Gitarren von Bands wie Dinosaur Jr. und in gelegentlichen lockeren Akustik-Ausflügen auch Folkkonzeptualisten von REM zu Wilco. Aber im Grunde will „Between the Times and the Tides“ mit charmantester Selbstverständlichkeit nicht mehr sein, als ein höchst lebendiges, ziemlich großartiges Rockalbum. Vermutlich liegt es genau daran, dass man sich so willig und bester Laune davon mitnehmen lässt.

Kostenlos und unregistriert Musik hören oder Videos von Lee Ranaldo & Disappears ansehen: www.myspace.com/clubmanufaktur