High Places (USA)

Dienstag, 7. April 2009, ab 21 Uhr


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Nichts geht schneller vorbei als eine High-Places-Platte. Für Leute, die noch nie ein ganzes Konzert der Dwarves verpasst haben, weil sie zur falschen Zeit zum Bierholen geschickt wurden, gilt das schon rein rechnerisch: «03/07-09-07», die als Debütalbum verkleidete Singles-, EP- und Reste-Compilation von High Places, dauerte 29 Minuten, und ihre erste richtige Platte verdient sich nun mit strammen 70 Bonussekunden den «Full length»-Zusatz dazu. Noch mehr gilt es aber dort, wo Uhrenvergleiche keine Rolle spielen und Zeitgefühle wichtig werden. Jeder, der schon mal Vorabendfernsehen geguckt hat, weiß schließlich, wie lang eine halbe Stunde sein kann. Und jeder, der nun «High Places» hört, sollte sich darüber wundern, wie die Zeit sich so beeilt und mit ihr alles andere auch.

Mary Pearson und Rob Barber sind die großen Willenlosmacher des Augenblicks: Ihre Musik fließt und flüstert irgendwas, sie klingt karibisch, kommt aber kaum über den Laptop in der Brooklyn-WG hinaus, auf dem ihre Grundsteine gelegt wurden. Es ist ja auch völlig egal, wo ein Stück wie «Gold Coin» herkommt, das zwischen einstürzenden Geräuschbauten seine ganz persönliche Gurgeldiplom-Prüfung ablegt – wichtig ist nur, dass High Places eine Band sind, die es zur Zeit kein zweites Mal gibt. Dass sie trotzdem nicht ohne Gesetzmäßigkeiten auskommen, zeigt jetzt ihr gleichnamiges Debüt, das sich anhört wie die zehn Rückseiten (≠ B-Seiten) zu den «03/07-09/07»-Songs. Nichts hat sich verändert, alles bleibt schwer definierbar, und höchstens die immer hinterher schlürfenden, halbwachen, niemals gewaltbereiten Beats sind noch etwas elastischer geworden. Es ist die in Beton gegossene Verschwommenheit. Dazu singt Pearson wie der Engel am Ende eines Alptraums von Michel Gondry – ihre Stimme ist schon im schwabbeligen «The Storm» so weit weg, dass man glauben will, sie würde gleich sogar die eigene Abwesenheit vergessen. Auch diese Art der «I'm not there»-Kokketerie kennen High-Places-Hörer natürlich schon. Wer aber deshalb pünktlich zum Debütalbum nach der ersten Band-Runderneuerung schreien will, ist nicht nur ziemlich frech, sondern ebenso verantwortungslos. Das Rascheln unter der Tastatur, die gebrauchsgegenständliche Percussion in «Namer», die verflossenen Gitarren und Banjos, die zoologischen Fieldrecordings von «Papaya Year», die Glöckchen, Kalimbas und notfalls auch die Plastiktüten: All das funktioniert ja weiterhin nahezu verlustfrei und ganz eigenartig miteinander. Computer, Hall und Soundnebel bleiben selbst dann nur verlängerte Arme aller High-Places-Einfälle, wenn sich die Einsen und Nullen von «From Stardust to Sentience» in einem Flipperautomaten wiederfinden – das Album ist gerade in seinen rein elektronisch gesteuerten Momenten besonders organisch und lebensnah, weil es als endloser Ideenkreislauf zwischen Pearson und Barber angelegt ist, der jeder Unmenschlichkeit von vornherein den Zutritt versperrt. Auch deshalb herrscht hier verdächtige Harmonie zwischen Mensch, Natur und ihren natürlichen Feinden. Pearson hebt die Unterschiede mit bestimmter Gleichgültigkeit auf, während hinter, vor und in ihr die Musik gluckert, bis man seinen Müll wie in Trance trennt. Gut möglich, dass es ein ausgewachsenes Taugenichts-Gen braucht, um das dann wirklich wertschätzen zu können. Wer gern Musik hört, die nach ehrlich ausgeschwitzter Arbeit klingt, wird bei diesem Konzert jedenfalls nichts zu lachen haben.

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