Fehlfarben (D)

Sonntag, 4. April 2010, ab 21.00 Uhr


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„Wir tanzten bis zum Ende zum Herzschlag der besten Musik. Jeden Abend, jeden Tag“. „Das war vor Jahren“, vor 30, um ganz genau zu sein. Und „wir dachten schon, dass sei der Sieg“, so Peter Hein 1980. War es natürlich nicht, wusste er auch damals schon, deshalb der Konjunktiv. Und jetzt, drei Jahrzehnte später plötzlich „Glücksmaschinen“ und alles soll schöne neue Welt sein? Von wegen. Hein wäre nicht Hein, der gewichtigste Literat der deutschen Pop-Geschichte, wenn Ironie und Zynismus einen da nicht schon beim bloßen Titel mit aller Macht anspringen würde. „Du stellst die Musik so leise, seit ich bei Dir bin, früher sagtest Du ‚mach lauter’, danach war alles drin“ heißt es im Titelsong, der gleich noch bestätigt, dass auch der legendäre „Grauschleier“ alles andere als weggewaschen ist.
Im Gegenteil: „Und wird das Grau auch mehr.“ Nichts ist besser geworden. „Optimieren, sanieren, wenn die Kurse wieder explodieren, optimieren, rationalisieren, endlich wieder fremdriskieren, ausgesaugt – aufgebraucht, ausgelaugt – aufgeraucht“, tobt der Düsseldorfer in „Aufgeraucht“. Kein Wunder also, dass er auch mit den vermeintlichen Segnungen der Informationsgesellschaft abrechnet. Facebook, Twitter etc. bekommen ihr Fett weg: „Was hat man sich gefürchtet, ob der Blockwart etwas weiß, doch in jedem Forum gibt man die Penislänge preis, der böse große Bruder ist längst ein kleines Licht...“heißt es in „Vielleicht Leute 5“. Und in „Neues Leben“: „Wir haben Angst, aber leider keine Zeit dafür“. Hein und Co. sind also auch drei Jahrzehnte nach „Monarchie und Alltag“ ihrem Manifest zur Befindlichkeit der deutschen Jugend irgendwo zwischen kaltem Krieg und RAF-Terror noch immer in der Lage, diese Befindlichkeit auf den Punkt zu bringen. Mit dem einzigen Unterschied, dass der Protagonist noch immer für die Kids von damals und damit logischerweise für die Nostalgiker von heute spricht. Und trotzdem ist die onkelige Kritisiererei des Altpunks so wichtig - gerade weil Hein nicht abzuwägen vortäuscht und die vermeintliche Komplexität der gesellschaftlichen Gegenwart einfach ignoriert. Auch 30 Jahre nach dem legendären Fehlfarben-Debüt "Monarchie und Alltag" ist Spießern und Konservativen vielleicht nur beizukommen, wenn man ganz klar Haltung zeigt und auch mal Dogmatismus riskiert. Was früher Punk war, geht heute allenfalls als nervöser Poprock durch, doch dank der flächigen Liveaufnahmetechnik unter der Regie von Tocotronic-Produzent Moses Schneider haben die Fehlfarben-Hymnen plötzlich wieder genug Wumms fürs Hier und Jetzt.

Mit Zeilen wie ‚Wir haben Angst, aber leider keine Zeit dafür’ schaut Peter Hein den gesellschaftlichen Verblendungszusammenhängen wieder tief in die Augen. Die Zeit


www.fehlfarben.com
www.myspace.com/fehlfarben
www.youtube.com/watch?v=-Zi5HK6L3Ao&fmt=18