Die Zukunft (D) | Bernadette La Hengst, GUZ & Knarf Relloem

Samstag, 21. Mai 2011, ab 21.00 Uhr


April  2019
MDMDFSS
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293012345
Mai  2019
MDMDFSS
293012345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829303112
Juni  2019
MDMDFSS
272829303112
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
Juli  2019
MDMDFSS
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930311234
August  2019
MDMDFSS
2930311234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930311
September  2019
MDMDFSS
2627282930311
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30123456

In den Siebzigern hätte man so etwas eine Supergroup genannt. Obwohl Die Zukunft musikalisch natürlich nichts mit damaligen Supergroups wie Emerson, Lake & Palmer gemein hat. Statt virtuoser Materialschlachten gibt es einfache Beats, statt Mucker- Gehabe die Schlichtheit von Punk – und zwar des frühen Punk, als die Sache noch open minded war, ironisch, selbstreflexiv und mit Dub verbwoben.
Und doch hat Die Zukunft alles, was eine echte Supergroup auszeichnet: Drei starke Persönlichkeiten, die schon lange im – nennen wir es ruhig so – Musikgeschäft sind, treffen aufeinander, ergänzen einander, spielen sich Ideen zu. Und vor allem: bringen ihren je eigenen Stil ein, ohne dass das Ganze auf gegenseitiges Überbieten oder verkrampften Crossover hinauslaufen würde. Da ist der einzigartige Dance-Pop von Bernadette La Hengst, der Soul-Punk von Knarf Rellöm und der federnde Boogie’n’Roll von Aeronauten-Sänger Guz. Und all das harmoniert bei Die Zukunft wunderbar. Schließlich haben sich hier drei Musiker getroffen, die in den letzten 20 Jahren ähnliche Ziele verfolgten. Die bornierte Trennung zwischen Gitarrenmusik, Dancefloor und Soul war ihnen stets fremd. Und vor allem: Alle Drei haben ein politisches Verständnis von Pop. Feminismus und Klassenverhältnisse werden ebenso thematisiert wie die eigenen Widersprüche als Linke im urkapitalistischen Popbetrieb. Damit treten hier drei Ausnahme-Künstler an, deren Musik rein gar nichts mit der neuen Innerlichkeit zu tun hat, die den deutschsprachigen Pop seit einigen Jahren bestimmt. Zweierbeziehungs- und Kuschel-Texten wird eine klare Absage erteilt. Das einzige Liebeslied von Die Zukunft, die neue Version einer alten Nummer von Die Braut haut ins Auge, Bernadette La Hengsts erster Band, ist daher auch das genaue Gegenteil von neoromantischer Gefühlsduselei: schonungslos offen, sympathisch vulgär und dabei zugleich so überdreht, dass es nicht in die verschwitzte Authentizitäts-Falle eines Klaus Lage tappt. Politischer Pop kann allerdings auch ganz schrecklich sein, vor allem dann, wenn er »politisch engagiert« daherkommt. Doch dem erteilt Die Zukunft gleich zu Beginn eine Abfuhr: »Wir essen Bioprodukte, ernähren uns bewusst«, singen sie ironisch, machen sich über all jene lustig, die glauben, es sei möglich, sich im falschen Leben richtig einzurichten. Das ist nichts für Bono- Fans, aber auch nichts für Linke, die auf alle Fragen sofort eine Antwort parat haben. Die Zukunft verzichtet auf Parolen und Welterklärungen. Sätze wie »Wir wollen keine Gratiszeitung und auch den Anbieter nicht wechseln« bringen die ganze Unerträglichkeit des spätkapitalistischen Alltagballasts auf den Punkt, die Schieflage des Ganzen wird im Kleinen gespiegelt. Das Gegenmodell hierzu ist hedonistisch, wenn auch natürlich mit einer Spur Selbstironie: »Lass uns Drogen nehmen und rumfahren« – der beste Hippie-Song, den Crosby, Stills, Nash & Young nie geschrieben haben (hier nun also doch noch ein Supergroup- Vergleich).

Kostenlos, unregistriert und unverbindlich Musik von Der Zukunft hören und/oder Videos ansehen:

www.myspace.com/clubmanufaktur