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Liebe Freunde der Manufaktur,
auch wenn sich die mediale Aufregung über die Morde der Neonazi-Bande und über die Rolle der sogenannten Verfassungsschutz-Organe inzwischen ein wenig gelegt hat – angesichts dieser Taten sind nicht nur Entschuldigungen bei den Angehörigen der Opfer vonnöten, nötig ist auch eine neue Wachsamkeit und eine neue Solidarität.
Deshalb rufen das Bündnis Rems-Murr-Nazifrei und wir, das ist ein erster Schritt, zur Teilnahme an der Demonstration „Laut gegen rechte Gewalt“ am 16.2. auf dem Schorndorfer Marktplatz auf und laden ein zur Infoveranstaltung und zum Konzert am selben Abend, die die Veranstaltungen aus den letzten Wochen fortsetzen. Es ist einfach an der Zeit, gegen die Normalisierung des Nazitums, von Rassismus und Neofaschismus, anzugehen, auch und gerade bei uns in der Gegend.
Es ist aber auch an der Zeit, sich noch einmal zu vergegenwärtigen, mit welcher Selbstverständlichkeit sowohl die Massenmedien als auch viele von uns die Darstellungen der Polizei, wonach die Täter dieser Mordserie aus irgendeiner seltsamen, unverständlichen „ausländischen“ Unterwelt kommen müssen, für bare Münze genommen haben. Darüber haben wir letzten Monat ja schon ein paar Worte verloren. Und mit welcher Selbstverständlichkeit damit auch klar gemacht wurde, dass die Opfer nicht „unsere“ Toten sind, um die „wir“ – die Deutschen, wer auch immer das genau sein soll – trauern müssten. Diese Verweigerung des Trauerns in der deutschen Mehrheitsgesellschaft, was die Autoren dieser Zeilen durchaus mit einschließt, ist für uns, nachträglich betrachtet, das eigentlich Erschreckende – eine Form von alltäglichem Rassismus, der nicht als solcher bewusst wird. Entscheidend sind die Annahmen, mit denen man die Welt interpretiert. Ein Beispiel? Bittesehr.
“Irgendeine Beziehung zwischen Ermordeten und Mördern müsse es geben, glauben Fahnder, und eine vage Ahnung bei deren Landsleuten. Aber so groß die Angst auch sein mag - niemand weiht die Polizei ein. Die schwer durchdringbare Parallelwelt der Türken schützt die Killer.” Und weiter: “Soko-Leiter Wolfgang Geier bekannte, durch die Ermittlungen sei den Beamten bewusst geworden, ‘wie wenig die Polizei eigentlich über ausländische Bevölkerungsteile und ihre Mentalität in unserem Lande weiß.’”
Mittlerweile schämt sich der SPIEGEL vermutlich in Grund und Boden für diesen Absatz, den einer seiner Reporter 2006 verfasste, als es um die Mord-Serie ging und man noch von „Döner-Morden“ sprach, ohne viel darüber nachzudenken, ob das nicht eine abwertende, diskriminierende Bezeichnung war. Letztlich steht in diesen Zeilen: Wir haben keine Ahnung, deshalb müssen die „Anderen“ gefährlich sein.
Die antirassistische Gruppe „kanak attack“, die Ende der 1990er-Jahre und Anfang der Nuller-Jahre mit schlauen Thesen, Bildern und Aktionen von sich reden machte (www.kanak-attak.de - besonders zu empfehlen sind die Videos), hat angesichts all dessen ein Poster erstellt, das die ganze Chose ziemlich perfekt auf den Punkt bringt:
Zu sehen ist Kristina Schröder, die Ministerin, die den Nazigegnern gern so kräftig in die Parade fährt, weil diese oft keine CDU-kompatible Weltsicht haben, und die wissenschaftliche Studien über Migration so selektiv auswertet, dass Herr Sarrazin seine Freude daran hat. „Die Mauer des Rassismus zeigt, dass die Deutschen noch immer nicht in dieser Gesellschaft angekommen sind“, heißt es auf dem Flyer. Ob sich daran etwas ändern wird?
Einen schönen Februar erstmal wünscht
Eure Manufaktur