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club manufaktur e.v. | hammerschlag 8 | 73614 schorndorf | telefon: 07181.61166
club manufaktur

Zum Geleit


Im März haben wir eine ganze Menge vor. Auf dem Programm stehen Hammer-Konzerte, spannende Vorträge und Diskussionen zu dringlichen Themen. An dieser Stelle wollen wir besonders auf die Veranstaltung mit dem Krisentheoretiker Robert Kurz hinweisen, die wir und das Forum Politik in der Manufaktur zusammen mit dem DGB präsentieren.

Kurz ist seit langem als kritischer Geist bekannt, der allen, die es wissen wollen, die unausweichliche Krisenhaftigkeit des Kapitalismus vor Augen führt. Vor über zehn Jahren veröffentlichte Kurz mit seinem „Schwarzbuch Kapitalismus“ einen vieldiskutierten Wälzer über die Untergangstendenzen unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Damals war Rot-Grün gerade an die Regierung gekommen, Schröder und Co. machten in „Reformen“ und die Restbestände der linken Intelligenz sprangen hektisch auf den Zug des sogenannten Pragmatismus auf. Zu diesem Zeitpunkt einen „Abgesang auf die Marktwirtschaft“ zu veröffentlichen, wie Kurz das tat, nennt man wohl unzeitgemäß. Und Kurz und seine MitstreiterInnen der Krisis-Gruppe ließen auch am „Arbeiterbewegungsmarxismus“ der Gewerkschaften und der verbleibenden akademischen Marxisten kein gutes Haar, weil deren Kritik nicht tief genug ansetze und an einem Arbeitsbegriff festhalte, der nicht mehr aufrecht zu halten sei. „Noch nie in der Geschichte der Modernisierung – also in den letzten zwei- bis dreihundert Jahren – hat es eine Situation gegeben, die von einer weltweiten sozialen Krise geprägt wurde, in der ein derartiges ökologisches Zerstörungspotential aufgebaut worden ist und in der so viel kulturelle Zerstörung und Verwahrlosung um sich gegriffen hat, bis hin zu Tendenzen in Richtung einer neuen Barbarei“, so Kurz anno 2001. Seitdem hat der streitbare Franke seine Analysen in weiteren Büchern und in einschlägigen Zeitschriften und Zirkularen weiter entwickelt und zugespitzt. Spötter sagten, Kurz habe acht der letzten drei Krisen vorhergesagt.

Inzwischen sind es die Spötter, die unzeitgemäß wirken. Nie waren Kurz’ Analysen so aktuell wie heute.Dass irgendetwas ganz grundlegend nicht stimmt, pfeifen mittlerweile die Spatzen von den Dächern. Leider aber würgen die Floskeln, die Begriffsarmut, die Denkverbote und die Spektakelhaftigkeit der öffentlichen Diskussionen eine angemessene Analyse des ganzen Schlamassels meist schnell ab. Auch deshalb haben wir Robert Kurz eingeladen: Weil Manager-Bonuszahlungen, Banken-Hybris und Steuerhinterziehungen skandalisiert gehören, aber nicht der Grund für die Krise sind. Weil Umverteilungsforderungen und Neu-Keynesianismus eine schöne Sache sind, aber keine Kapitalismuskritik ersetzen – und schon gar nicht die Diskussion darüber, wo sich der Ausstieg befindet: „Exit!“ heißt Kurz’ aktuelle Gruppe und Zeitschrift. Wohin führt der Kurs, auf dem wir uns befinden und von dem uns alle weismachen wollen, er sei alternativlos? Wie soll Arbeitsteilung organisiert und Reichtum verteilt werden, wenn „die Wirtschaft“ viele von uns nicht mehr braucht und nicht mehr brauchen wird? Das sind Fragen, wie Kurz sie seit Jahren stellt. Nicht, dass er alle beantworten könnte oder sollte. Aber es sind die Fragen, die alle angehen, die etwas gegen den Status Quo unternehmen wollen.

In diesem Sinne:
Euer
Manu-Team