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The Thing Frei improvisierte Musik (Jazz)

The Thing Frei improvisierte Musik (Jazz)

Dienstag, 12.2., 20.30 Uhr

Das aktueller Jazz keine verkopfte, trantütige Angelegenheit für Akademiker sein muss, beweist das schwedisch-norwegische Allstar-Trio The Thing. Wenn diese drei Virtuosen loslegen, gibt es kein halten mehr: höchste Intensität und mitreißendes Zusammenspiel ist angesagt, wenn Mats Gustafsson am Saxofon, Ingebrigt Haker-Flaten am Bass und Paal Nilsson-Love am Schlagzeug in den sprichwörtlichen Ring steigen. The Thing sind das Aushängeschild Skandinaviens in Sachen aktueller Jazz und freie Improvisation. Anders als viele vergleichbare Bands, improvisieren die drei Musiker über „Songstrukturen“; viele ihrer Stücke basieren auf komponiertem Material, das auch mal von Rockgrößen wie P.J. Harvey, den Yeah, Yeah, Yeahs oder gar den White Stripes stammen kann. Das macht ihre Musik für viele Hörer zugänglicher als die anderen Free Jazz Gruppen. Dazu kommt, dass sie sich auch intensiv mit verschiedenen Rhythmen beschäftigen – von free-time bis zu treibend groovenden Rhythmen ist alles drin. Wer Saxophonist Mats Gustafsson, der auch gern mit der amerikanischen Underground-Rocklegende Sonic Youth zusammenarbeitet, einmal erlebt hat, für den wird das Vorurteil, dass Free Jazz kopflastig und unzugänglich ist, für immer der Vergangenheit angehören. Seine enorme Bühnenpräsenz bietet all das, was manchen Jazzfan beim Hören dieser Musik auf Tonträgern oder im Radio fehlen mag. Der junge norwegische Schlagzeuger Paal Nilssen-Love, den wir für die größte Schlagzeug Entdeckung der letzten Jahre halten, spielt sehr komplex, dabei mit unglaublicher Kraft und Energie. Seine langgezogenen, scharf akzentuierten Wirbel suchen ihresgleichen. Von ihm wird noch viel zu hören sein! Nicht minder beeindruckend agiert Bassist Ingebrigt Haker-Flaten, der mit Paal Nilssen-Love eine Rhythmusgruppe der Schwergewichtsklasse bildet. Nur wenigen Gruppen ist es gegeben, die Intensität und Lebendigkeit des aktuellen Jazz so direkt und unmittelbar an ihr Publikum weiterzugeben wie The Thing, die mit ihrer Musik auch die jüngere Generation erreichen.

Wer schon einmal einen Hundertmeter-Läufer unmittelbar vor dem Start beobachtet hat, kann sich ungefähr Mats Gustafsson kurz vor seinem Saxofon-Einsatz vorstellen: Alles an Kraft scheint sich auf den entscheidenden Moment konzentrieren zu wollen. Die Muskeln sind angespannt, der Kopf wackelt ruckartig hin und her, die Zunge züngelt wie die eines Leguans. Alles ist Energie, die wie aus dem Startblock heraus eruptiv losbrechen will. Gustafsson scheint weniger in sein Saxofon hinein zu blasen als vielmehr hinein zu brüllen! Was herauskommt sind energetische, sich überschlagende, überschäumende, getriebene Soli, die nicht zufällig die Intensität einer Rockshow heraufbeschwören wollen. Ulrich Rüdenauer / Fränkische Nachrichten