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Warten und andere Alltäglichkeiten
Nach den großen Portraitfotos der letzten Ausstellung, bevölkern im Juni und Juli nochmals Menschen die Bilderwand der Manufaktur. Diesmal gewährt uns Anna Kölle mit kleinen Zeichnungen und Plastiken Begegnungen und Einblicke. Sie zeigt Menschen in scheinbar banal alltäglichen Situationen. Es sind Momente, in denen diese sich unbeobachtet fühlen, in deren sie nicht kommunizieren, sondern mit sich selbst und ihren Gedanken beschäftigt sind. Sie stehen an Bushaltestellen, warten auf etwas oder jemanden. Es ist die Beiläufigkeit dieser alltäglichen Haltungen und Gesten, die sie interessant macht. Sie will vordergründig nichts sein und nichts bedeuten und sagen vielleicht gerade deshalb so viel aus. Aus einer gewissen Distanz zu beobachten, was sich gegenüber der Miniaturplastiken von Anna Kölle schnell einstellt, birgt ein voyeuristisches Vergnügen; man muss sich nicht wirklich konfrontieren, man setzt nichts aufs Spiel. Diese distanzierte Haltung gibt jedoch gleichzeitig der Wahrnehmung Raum. Das Vergnügen besteht darin, das Gegenüber als einzigartig, ein wenig fremd, ein wenig vertraut zu erkennen und in genau den scheinbar alltäglichen Situationen, liebenswerte Gesten zu entdecken. Freuen Sie sich auf Begegnungen mit intimer Qualität.

Von 1988-1996, lebte und arbeitete Regina Kneisl in Rio de Janeiro, Brasilien.
Sie traf dort auf spielerische, kreative Rituale, die- eng mit den Naturelementen
verbunden – eine neue Bedeutsamkeit erlangen. Dieses kreative Handeln beruht auf einer
undogmatischen, fast kindlichen Weise zu glauben, die mit dem magischen Denken
verwandt ist. Durch das Erschaffen eigener kreativ- spielerischer Rituale fand Regina
Kneisl Zugang zu der ursprünglichen schöpferischen Kraft, die für sie, „allen Menschen
innewohnt“, und die so in ihr „aktiviert“ werden konnte.
Sie beschreibt ihre Werke als Manifestationen innerer Prozesse,
wobei es sich nicht um eine Erforschung ihrer selbst handelt, sondern um die Nutzung
einer natürlichen Öffnung nach innen und zur Seele, die sie brauche, wie die Luft zum
Atmen, um sich ausdrücken zu können. In einem sehr intensiven, fast sinnlichen
Schaffensprozess ist Erde ein wichtiger Bestandteil, was das Material und auch die
Inhaltlichen Bezüge betrifft. Weiter sind archaisch anmutende Formen und urweibliche
Symbolik charakteristisch für Regina Kneisls Arbeiten.
Der Ausdruck dieser Werke ist, laut Künstlerin, in seiner Formensprache „ manchmal
gewaltig, so wie die Natur eben ist: Im Mikro- wie im Makrokosmos und dabei in ständiger
Wandlung. So gleichen meine Arbeiten der Natur; zart und gewaltig, Symbole der
Transformation“.
Zu Regina Kneisl:
Jahrgang 1963,
Studium an der Kunstakademie Düsseldorf,
lebt heute in Waiblingen
KUNSTNACHT: REGINA KNEISEL IST ANWESEND VON 19 – 24 UHR
FINISSAGE: SONNTAG, 24.10.2010, 16 UHR